Die Gemeinde Eschede hat bisher zweimal die Ehrenbürgerrechte verliehen.

Im Dezember 1986 wurde Samtgemeindebürgermeister Heinrich Lange zum Ehrenbürger ernannt. Heinrich Lange wurde im März 1912 in Eschede geboren. 1938 heiratete er und übernahm die elterliche Landwirtschaft. 1940 wurde er Soldat, 1944 geriet er in jugoslawische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1948 zurückkehrte.

Heinrich Lange war von 1952 bis 1986 Mitglied des Gemeinderates Eschede, von 1973 bis 1981 war er Escheder Bürgermeister. Seit der Gründung der Samtgemeinde Eschede im Jahr 1967 gehörte Heinrich Lange dem Samtgemeinderat an, vom November 1976 bis zum Oktober 1991 war er Samtgemeindebürgermeister. Heinrich Lange hat die Feuerwehren und den Ausbau der Sportanlagen besonders gefördert. Sein Ziel war es stets, die Menschen in der strukturschwachen Samtgemeinde Eschede mit den notwendigen Einrichtungen und Annehmlichkeiten zu versorgen.

In vielen örtlichen Vereinen war er engagiert. Im Schützenverein bekleidete er 18 Jahre das Amt des Schützenoberst, 1980 erfolgte die Ernennung zum General. Den CDU-Ortsverband baute er als Gründungsvorsitzender mit auf. In den berufsständischen Verbänden der Landwirtschaft engagierte sich Heinrich Lange stark. Dem Vorstand der Escheder Spar- und Darlehnskasse, der späteren Volksbank, gehörte er über Jahrzehnte an, ab 1970 als Vorsitzender.

Er saß im Aufsichtsrat der Saatzucht Soltau-Bergen, war Gründungsvorsitzender beim Maschinenring Aschau-Lachte-Lutter, war Vorsitzender des Milchkontrollvereins sowie des Bezirksverbands Eschede des Niedersächsischen Landvolks. 1980 wurde Heinrich Lange das Bundesverdienstkreuz verliehen. 1991 erhielt er den Titel des Ehren-Samtgemeindebürgermeisters. Heinrich Lange starb im Januar 1992.

Im Juli 2000 wurde George Tabori zum Ehrenbürger von Eschede ernannt. Der 1914 in Budapest geborene Tabori gelangte auf seiner Flucht vor den Nazis über Wien und Prag nach London. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er als Angehöriger der britischen Armee in der Türkei, im Nahen Osten und in London. Nach der Veröffentlichung seiner ersten Romane 1947 erhielt er einen Job als Drehbuchautor in Hollywood.

Hier lernte er neben zahlreichen exilierten deutschen Schriftstellern - unter anderem Heinrich und Thomas Mann - Berthold Brecht kennen, der ihm das Theater nahe brachte. George Tabori übersetzte und inszenierte in der Folge zahlreiche Stücke von Brecht in den USA. Sein erstes eigenes Stück, "Flight into Egypt", kam 1952 in New York heraus. Dort arbeitete er als Filmautor auch mit Alfred Hitchcock zusammen. 1968 wurde George Tabori zum "Brecht-Dialog" ans Berliner Ensemble eingeladen. 1969 inszenierte er zusammen mit Martin Fried sein dem Vater gewidmetes KZ.Stück "Die Kannibalen". Damit begann seine zweite Karriere als einer der erfolgreichsten Dramatiker und überragender Regisseur des deutschsprachigen Theaters.

Von 1975 bis 1978 leitete er mit einer eigenen Gruppe das Theaterlabor im Theater der Freien und Hansestadt Bremen. Es folgten Uraufführungen eigener und Inszenierungen fremder Stücke an allen großen Theatern zwischen Berlin und Wien. Ab 1986/87 leitete er als eine Art Theaterlabor unter dem Namen "Der Kreis" das ehemalige Schauspielhaus Wien. George Tabori wurde vielfach ausgezeichnet und geehrt. 1992 wurde ihm der Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt zuerkannt.

1989 - beim 2. Heide(n)spektakel der Randlage Eschede - war George Tabori erstmals in Eschede. Hier zeigte er seinen preisgekrönten Film "Frohes Fest" und mit dem Wiener Theater "Der Kreis" "Masada - ein Bericht" sowie seine Shakespeare-Collage "Verliebte und Verrückte". Beim dritten Heide(n)spektakel 1992 folgte die deutsche Erstaufführung seiner Kafka-Adaption "Unruhige Träume" durch das Wiener Burgtheater. Die Besucher erlebten herausragende, unwiederbringliche Kulturereignisse. Das kulturelle Engagement in und für Eschede würdigte der Gemeinderat Eschede mit einem einstimmigen Votum für die Ehrenbürgerschaft. Die Ehrenbürgerwürde wurde George Tabori im Rahmen des 4. Heide(n)spektakels verliehen, das dem großen Künstler gewidmet war.

An der Flohrmühle Eschede erinnern zwei Granitplatten mit Schriftzügen aus Messing an die beiden Ehrenbürger.



Weltbürger trifft populären Heidjer: Beim 2. Heide(n)spektakel im Mai 1989 überreichte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Lange dem großen Theatermann George Tabori zum 75. Geburtstag ein Glas Honig.