Der röhrende Hirsch auf dem Bild über Omas Sofa mag ja ganz schön sein, aber unter Hirschbrunft stellt sich der Fan der Geweihträger doch ein bisschen mehr vor. Wie gut, dass Starkshorn gleich um die Ecke ist. Da tummeln sich die liebestollen Viecher Ende September/Anfang Oktober wie auf dem Präsentierteller. Aus der ganzen Region kommen sie zusammen und bieten ein Schauspiel der besonderen Art.

Die menschlichen Zuschauer tun es ihnen gleich. In den frühen Abendstunden rücken mitunter mehr als 50 Autos - Kennzeichen aus ganz Niedersachsen sind vertreten - an und sorgen bei Starkshorn für ein Nadelöhr, das auch schon die Polizei auf den Plan gerufen hat. Kaum sind die Besucher den Wagen entstiegen, setzen schon die Fachgespräche ein. "Boaaah, guck´ ma Manni, da hinten links, dat is ja n´ Kaventsmann. Dann werden Feldstecher, Ferngläser, Teleskope an die Augen geführt und das fremde Treiben beobachtet. Bald setzt das allgemeine Frösteln ein, eine Glühweinbude könnte gute Umsätze erzielen.

Familie Hirsch beeindruckt das Treiben an der Straße nicht sonderlich. Während die ausgewachsenen männlichen Vertreter, also die, die mitreden dürfen, hin und wieder den Kopf in den Nacken legen und ihre ungewöhnlichen Laute ausstoßen, fallen den weiblichen Tieren und dem Nachwuchs eher Statistenrollen zu. Hin und wieder gibt's auf der Wiese ein bisschen Rennerei, ein bisschen Imponiergehabe, aber so richtig krachen lassen es die Hauptdarsteller nicht gerade. Dann wird´s auch bald dunkel, und wenn der Mond nicht scheint, bleibt nur noch ein bisschen Spektakel für die Ohren. Trotz allem, beeindruckend ist es schon, was sich da in der Brunftzeit bei den Starkshorner Hirschen abspielt.

Joachim Gries