Die Quarmühle in den frühen Jahren.Die Quarmühle war ursprünglich eine Getreidemühle, die vom Quarmbach angetrieben wurde. Sie wurde schon 1438 im Schatzregister erwähnt und stand etwa 500 Meter vor der Mündung des Quarmbaches in die Aschau bei Habighorst. Dort, wo sich heute Teiche befinden, ist wohl schon vor Jahrhunderten das Wasser für den Betrieb der kleinen Mühle aufgestaut worden. Ein Inventarium aus dem Jahr 1812 erwähnt, dass die Quarmühle nur noch den Namen einer Mühle trage und sich ein Mehlkasten aus alter Zeit in ihr befinde. Um 1870 soll sie noch als altes windschiefes Häuschen gestEine Idylle unter Bäumen am großen Teich.anden haben, vor einigen Jahrzehnten waren noch die Steine des Gebäudes am Ufer des Quarmbaches zu erkennen.

Anfang der 1930er Jahre entstand an der Reichschaussee 191 die neue Quarmühle als Badeanstalt. Vorbild mag für Rittergutsbesitzer Wilhelm Thies aus Habighorst wohl das "Kurhaus Kötjemühle" in Uetze gewesen sein, eine Pension mit Bier- und Kaffeegarten, ebenfalls an einem Teich gelegen.

Redakteur August Pohl lobte in der "Celleschen Zeitung und Anzeigen" am 1. Juli 1932, was er am Quarmbach vorgefunden hatte: " Rechter Hand der Straße, wenige Kilometer vor Eschede, ist nun in aller Stille ein Plätzchen entstanden, das die entzückendsten landschaftlichen Reize offenbart. Unter Aufwendung erheblicher Mittel ist dort von dem Besitzer des Geländes ein Bad angelegt, das infolge seiner praktischen Einrichtung und seiner Anpassung an die Umgebung als eine Sehenswürdigkeit anzusprechen ist. Die Anlage zerfällt in mehrere Abteilungen für Schwimmer und Von der Veranda hatten die Besucher den Überblick.Nichtschwimmer. Die große Teichfläche gestattet einen ausgedehnten Rudersport. Auf einer Anhöhe ist das Wirtschaftsgebäude errichtet. Vom First grüßen die charakteristischen Pferdeköpfe. Von der dem Hause vorgebauten Veranda öffnet sich ein freier Blick über die großzügige Anlage. Verschiedene Ruhebänke sind aufgestellt, von ihrem Standort aus ist die weite Flur zu übersehen. Am Hange vor der Veranda ist ein Steingarten im Entstehen begriffen. Am Wasser befinden sich die Ankleideräume. An das Hauptwasserbecken, durch Dämme getrennt, schließen sich mehrere für Badezwecke nicht freigegebene Fischteiche....
An passender Stelle ist auch ein Sonnenbad im Freien errichtet und endlich hat man auch für die übliche "Verlobungsbank" bereits den Platz festgelegt.
Die Neuanlage an der Straße wird demnächst sicherlich ein bevorzugtes Ziel den Wanderern und Ausflüglern werden. Alles, was die Natur zu bieten vermag, ist dort in verschwenderischer Fülle vorhanden."

In einer kleinen Anzeige wurde am 16. Juli 1932 in der "Celleschen Zeitung und Anzeigen" auf die Eröffnung des neuen Familienbades hingewiesen. Und der Hinweis "Erfrischungen" deutete schon an, dass sich die Quarmühle in den kommenden Jahrzehnten zu einem beliebten Ausflugslokal entwickeln würde. Bis 1945 wurde die Quarmühle vom Habighorster Gut aus als Familienbetrieb bewirtschaftet.

Fischmeister Josef Löhr und seine Ehefrau Elfriede machten die Quarmühle in den Nachkriegsjahren zum Mittelpunkt des Gaumens und des Geistes. Theaterleute, Schriftsteller, Forscher, Jäger, Bauern und alte Kriegskameraden kehrten ein. Es gab Konzerte, Opernsänger Willi Patsche aus Hannover trat auf, ebenso Kammersänger Willi Wissiak. Die Künstler hatte es aus dem zerbombten Hannover vertrieben. Auch Opernsänger Carl Hoppe aus München war in der Quarmühle zu hören. Der Schriftsteller Johannes Weidenheim beschrieb in seinem 1968 erschienenen Roman "Mensch, was für eine Zeit Oder Eine Laus im deutschen Pelz", was er einst in der Quarmühle erlebt hatte.

Viele Geschichten gibt es aus dieser Zeit. So war einst Niedersachsens Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf zu Gast. Ein anderer Besucher glaubte ihn zu erkennen, ging an seinen Tisch, fragte vorsichtig: "Sind Sie nicht der Ministerpräsident". Doch der bedauerte und stellte sich als Max Pumpe vor. "Entschuldigen Sie, Herr Pumpe." Auch Elly Beinhorn, bekannt durch Rekord- und Weltflüge, einst verheiratet mit dem Rennfahrer Bernd Rosemeyer, weilte hier.

 

Wo in der weiten, braunen Heid'
Wacholder steh'n und Buchen,
Wo Rick und Bock zur Sommerszeit
Still ihre Äsung suchen,
Da singt's und klingt's, es braust und tost
Heut Nacht in der Quarmühle,
Wir singen: "Kameraden, Prost!
Die Nacht wird draußen kühle!"

Wo manches Rad in alter Zeit
Tat in ein andres greifen,
Ist's heut des Müllers Schuldigkeit,
Die Gäste einzuseifen.
Und lag der Mehlstaub noch so dicht
Im Haus vor hundert Jahren,
Verstaubt sind wir noch lange nicht,
Da soll uns Gott bewahren!

Wo einst die schöne Müllerin
In grauer Vorzeit Tagen
Zwölf Räuber hat mit mut'gem Sinn
Mit einem Beil erschlagen,
Empfängt Frau Spatz mit Freundlichkeit
Uns heut in ihrem Reiche,
Doch wett ich, bis zur Morgenzeit
Gibt's manche Schnapsesleiche.

Genieß den schönen Augenblick,
Mag's durch die Nacht auch dauern,
Und überlasst die Politik
Herrn Heuss und Adenauern.
Ein Horridoh schall' durchs Revier
Bis hin zur Quarenbachbrücke.
Hoch jedem jagdbaren Getier,
Dem Schmaltier und der Ricke!

(Ernst Pfingsten)

1953 pachtete Heinz Wanke aus Celle die Quarmühle. Er war einst Hauptschützenkönig in Celle gewesen. Er machte einen oder mehrere größere Lottogewinne und schied danach 1959 aus der Quarmühle aus.

zum Vergrößern hier klicken...1959 bis 1961 wurde die Quarmühle von Dorothea Heintel gepachtet. Sie brachte auch die ersten Schwäne aus dem Hildesheimischen mit. 1961 übernahm dann Otto Schmidt die Quarmühle. Aus dieser Zeit stammt der Werbespruch "Hier kocht der Chef".

Danach pachtete Werner Beutler aus Göttingen die Quarmühle. Das Gebäude wurde von Henning Thies, dem Erben des Rittergutes in Habighorst und damit auch der Quarmühle, aufwändig renoviert. Jetzt lautete der Werbeslogan "Quargemühlt - wohlgefühlt". Das Lokal florierte, der Umsatz wuchs. Gegen eine Abfindung stieg Beutler aus dem Pachtvertrag aus, ging nach München und betrieb dort ein Feinkostgeschäft.

Meta Thies, die Frau von Henning Thies, wollte mit der Quarmühle selber Geld verdienen. Auf der Rückseite einer farbigen Werbepostkarte, die Tret- und Segelboote vor der Kulisse des Ausflugslokals zeigt, hieß es:

"Landhaus Quarmühle"
- das schöne Ziel -
- Erstklassige Küche mit vielen Wild- und Fischspezialitäten
- Tret- und Ruderboote
- Reiten - Jagen - Fischen
- Für unsere kleinen Gäste Mini-Scooter
- Heidschnuckengehege
- Naturlehrpfad - Wacholderhain, herrliche Wanderwege
- Tagungsräume für Festlichkeiten aller Art
- Spezialverkauf von Räucheraal - Bauernschinken - Katenrauchmettwurst - Heide und Wabenhonig

Landhaus Quarmühle
Hotel und Restaurant
Inh. M. Thies
3101 Habighorst (Celle-Eschede)
an der B 191
Ruf (0 51 42) 3 28

Noch in den 70er Jahren lockten Boote aufs Wasser.Im Februar 1975 wurde die Quarmühle an Bernd Kleine aus Bad Lippspringe verkauft. Kurz darauf wurden aus Unachtsamkeit die Staudämme im Quarmbach zerstört, die Wehranlage kippte um und der Quarmbach konnte ungehindert durch den großen Teich fließen. Die einst große Wasserfläche war verschwunden, der Teich verkrautete. Die Arbeiten am Bau eines neuen Wehrs zogen sich in die Länge.

1977 wurde die Quarmühle erneut verkauft. Neuer Eigentümer war der niederländische Hotelier Bernard Gierveld. Er hatte große Pläne: An der Quarmühle sollte ein Freizeitpark mit Ferienwohnungen entstehen. Deshalb kaufte Gierveld vom Habighorster Gut auch weitere Flächen dazu. Das Lokal verpachtete er für fünf Jahre an Roman Stempnewitz. Aus Giervelds Freizeitpark-Plänen wurde nichts, die Bezirksregierung Lüneburg lehnte sie ab.

Am Morgen des 29. Juli 1982 rauchen noch die Trümmer.Stempnewitz wollte die Quarmühle1982 von Gierveld kaufen, da er viel Geld in die Renovierung gesteckt hatte. Eine Einigung über den Preis kam aber nicht zustande. Als Stempnewitz im Mai 1982 ging, nahm er seine Einrichtung mit. Das Haus stand jetzt leer.

In der Nacht zum 6. Dezember 1982 wurde die Quarmühle völlig verwüstet. Sämtliche Fenster wurden eingeschlagen, Fensterflügel herausgerissen und alles zertrümmert, was nicht niet- und nagelfest war. Schon Wochen zuvor war die Eingangstür aufgebrochen worden. Trotz einer ausgesetzten Belohnung gingen bei der Polizei keine brauchbaren Hinweise auf den oder die Täter ein. Gierveld unternahm nichts zur Wiederherstellung des einst beliebten Restaurants. Verhandlungen mit einem potenziellen Käufer scheiterten erneut am Preis.Die Ruine der einst stolzen Quarmühle.

Wenig später kam das Ende. Am 28. Juli 1983 abends stand die Quarmühle in Flammen. Exakt um 22.59 Uhr werden die Feuerwehren in Habighorst und Eschede alarmiert, die aber ein weitgehendes Niederbrennen des Gebäudes nicht verhindern konnten. Die Reste wurden später zusammen geschoben und abgefahren. Heute existieren nur noch ein paar Fundamente - und in den Köpfen einstiger Besucher aus nah und fern viele Erinnerungen an die schöne Quarmühle.