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Aus der Chronik

Genauere Überlieferungen über die Gründung Schelplohs, um die sich Sagen ranken, sind nicht bekannt. Aber Schelploh wird um 1450 als herrschaftlicher Hof gegründet worden sein. Mindestens elf Generationen lang befand sich der Hof im Besitz der Familie Becker. Im Jahre 1821 gehörten zu dem Einzelhof zwei Wohngebäude, in denen siebzehn Menschen lebten. Als im Jahre 1888 kein geringerer als der Schwiegersohn des Fabrikanten Friedrich Bayer, nämlich Theodor Böttinger, nach Schelploh reiste, um mit dem Hofbesitzer Becker Pachtverhandlungen zu führen, war nur noch eines der Wohnhäuser des Einzelhofes bewohnt, aber zehn Fußminuten vom Hof entfernt war die Sägemühle des Beckerschen Hofes noch in Betrieb. Dort waren auch Wohnungen für drei Arbeiterfamilien.
Es kam zu einem Pachtvertrag zwischen Hofbesitzer Becker und den Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co., Elberfeld. Die Firma wollte hier in der Abgeschiedenheit Merkaptan produizieren, eine äußerst übel riechende Schwefelverbindung, die Grundstoff für Sulfonal, ein Schlafmittel war. Von 1888 bis 1904 produzierte die Firma diesen Stoff in ihrem Zweigwerk Schelploh, begleitet von immer wiederkehrenden Beschwerden der umliegenden Orte und Einwohner wegen des penetranten Gestankes, dann brannte das Werk ab und die Merkaptan-Produktion wurde nach Leverkusen verlegt.

Unabhängig von diesem Chemiezweigwerk hatte der Hamburger Geschäftsmann Bernhard Blumenfeld im Jahre 1905 Restflächen des Beckerschen Besitzes erworben. Dort ließ er ab 1906 ein großes Landhaus errichten, auf dem etwa 5 ha großen Grundstück des Landhauses wurde eine Parkanlage angelegt. Mit der Planung dieser Außenanlagen wurde der Kölner Stadtgartendirektor Fritz Encke beauftragt, der seinen Entwurf Januar 1912 ablieferte. Für die Ausführung wurde mit der hamburger Firma Jacob Ochs einer der damals renommiertesten Gartenbaubetriebe gewonnen, die künstlerische Leitung oblag dem Gartenarchitekten Leberecht Migge.
Einer fundierten, wissenschaftlichen Arbeit über die "Parkanlage Schelploh" von Cord Panning und Ralf Krüger 1992 am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Architektur Hannover ist es zu danken, dass diese Parkanlage als "unbedingt schutzwürdig" von der Bezirksregierung Lüneburg in die Denkmalliste aufgenommen wurde.

Das Landhaus selbst hatte im Lauf der Zeit eine bewegte Geschichte mit häufig wechselnden Eigentümern: 1912 kaufte Kommerzienrat Steffen aus Berlin das Anwesen, 1921 wurde es von dem Schokoladen- und Chininfabrikant Wittekop aus Hannover erworben, 1926/27 übernahm es der holländische Kaufmann Meyer, 1935 ging es als Gästehaus an den Unterlüßer Rüstungsbetrieb Rheinmetall-Borsig, nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es von Engländern, während der Berlin-Luftbrücke von den Amerikanern als Erholungs- und Freizeitheim "Veronikas" in Beschlag genommen, ab 1950/51 führte es der Hotelier Walter Behn zehn Jahre lang als renommiertes Ausflugslokal. 1963 verkaufte Rheinmetall das Landhaus an Emma Bauer in Braunschweig. 1968 richtete Erich Krust darin ein privates Alten- und Pflegeheim ein. 1973 pachtete Gastwirt Radecke aus Habighorst das Landhaus, das zum Wohnheim für zeitweise über 90 weibliche türkische Mitarbeiter von Telefunken in Celle wurde. Juli 1977 kam es im Landhaus zur Eröffnung eines bordellähnlichen Privat-Clubs "Landhaus Schelploh". Juli 1982 verließ das Bordell das Landhaus und Januar 1983 wurde es von einem Braunschweiger Kaufmann ersteigert. Das leerstehende Haus wurde jetzt Ziel von Plünderern - es verschwanden nicht nur Einrichtungsgegenstände, sondern auch Fenster, Türen, Sandsteinplatten und selbst Rohre und Kabel wurden gestohlen. 1984 wurde das Landhaus gleich zweimal verkauft: zunächst an eine Berlinerin, dann an eine Spekulantin mit Wohnsitz in Spanien. Da die leerstehende Ruine eine öffentliche Gefahr darstellte, ließ 1988 der Landkreis Celle die Eingänge und Fenster verbrettern. Das Schicksal des Landhauses schien besiegelt, bis dann 1990 Landhaus und Park von dem Baron von Frankenberg aus dem Raum Höxter gekauft wurden. Im Juli 1990 begannen erste Aufräumungsarbeiten im Haus ...