Viele Jahre haben Störche Eschede die Treue gehalten. Seit 1968 tauchte Jahr für Jahr ein Storchenpaar im Nest auf dem Schornstein von Liljes Bauernhaus in der Südstraße auf und zog seine Jungen groß. 1993 wurde der Storch deshalb in das Ortslogo aufgenommen und stand als Sinnbild für "sanfte" Entwicklung rings um Eschede.

30 Jahre hatten die Eschede ihre Freude an den besonderen Sommergästen. 1998 wurde es dann anders. Am 7. April war vermutlich das Männchen der Vorjahre erschienen, aber ein Weibchen wollte nicht bleiben. Bis zum 30. April 1998 hielt es das Männchen allein aus. Dann schloss es sich einem vorüberziehenden Trupp an. Fortan war das Nest verwaist. Zuweilen tauchte aber ein Storchenpaar auf, ohne aber auf dem Nest zu übernachten.

Dieses Paar wurde vom ehrenamtlichen Weißstorchbeauftragten des Landkreises Celle, Pastor Joachim Behrmann aus Lachendorf, auch in Höfer, Beedenbostel und im Bereich der Wiesen am Lachendorfer Friedhof gesichtet. Lange war unklar, wo es seine Nächte verbrachte, bis das Rätsel eines Tages gelöst war. Das noch nicht brutreife Paar erschien jeden Abend auf einer Eiche in Scharnhorst und übernachtete dort bis Ende Juli.

Auch 1999 kam es nicht zur Brut. Zwar tauchte immer wieder ein Storchenpaar auf, aber das Nest wurde nicht bewohnt.

In den Jahren 2000 und 2001 machte sich Meister Adebar ebenfalls rar. Als mögliche Gründe des Ausbleibens vermutete Eschedes Naturschutzexperte Hans-Joachim Clausnitzer die Veränderungen in der Landwirtschaft. Viele Landwirte hielten kein Vieh mehr, das Grünland wurde umgebrochen und in Ackerland überführt. Die mit Stallmist gedüngten Wiesen hatten den Störchen viele Regenwürmer beschert, mit denen die Jungstörche nach dem Schlüpfen gefüttert wurden.

Durch Entwässerungen und die Vernichtung von Kleingewässern wurden den Fröschen geeignete Vermehrungsplätze genommen - und dem Storch damit ein weiteres Nahrungsangebot. Zwar würden die Fischteiche bei Lohe und Aschauteiche Störchen Nahrung bieten, wenn die Tiere sich zuvor darauf spezialisiert hätten. "Wenn diese Störche wegbleiben, dann verwaisen solche Brutplätze schnell, da neue Störche die Möglichkeiten an den Teichen nicht erkennen. Sie bewerten den Brutplatz nach dem Gesamteindruck der Umgebung", schrieb Clausnitzer.

Als Kulturfolger ist der Storch mit den Menschen in die Heide gekommen und wegen der Veränderungen in der Landwirtschaft verlässt er sie nun wieder.

Kraniche hingegen scheinen sich in der Region um Eschede immer wohler zu fühlen. Ihre trompetenartigen Rufe sind immer häufiger zu hören. Nach Angaben des Naturschutzbeauftragten für den Landkreis Celle, Eckehard Bühring, ist Eschede inzwischen einer der wichtigen Kranichstandorte in Niedersachsen.

Joachim Gries