Der jetzige Grundriss ergibt sich aus den notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen, die um 1673 ihren Abschluss finden, nachdem das alte Schloss, oder Hauptteile davon im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt worden sind:

"Ich also mein auch bei Lebzeiten meines Seel. Vätern abgebranndtes Haus zu Habighorst wieder in Stande gebracht"
So Johann Ernst v. Habighorst, nach Barenscheer,
CZ vom 10.05.33

Zur Legende von Habighorst bleibt anzumerken, dass Ludwig Ohlendorf in seinem Buch: Das niedersächsische Patriziat und sein Ursprung - Hannover und Leipzig 1910 , schreibt, dass ein Conradus Accipiter: Accipiter lat. = Habicht, niedersächsisch = Havek eine Reihe von Ministerialen von St. Michael - Hildesheim anführt, jedoch schon vor 1093 ein Heveco, nach 1093 ein Conrad Havek.

Da belegt der Historiker Hermann Adolf Lützel in seinem Werk:Die ältere Diöcese Hildesheim-, erschienen 1837 bei Gerstenberg - Hildesheim, die Grenzverläufe der Diöcese Hildesheim aus der Bernwardinischen Urkunde von 994,
Seite 119 Zitat:

"3. Scelhusen wird für Havekost in der A.B. Eicklingen sonst Scelleshavekost ausgegeben. Eher möchte ich an den Schelbruch bei Uetze erinnern, oder selbst Seershausen an der Oker annehmen". Zitat Ende.

Wie man liest, kann A. Lützel das Dorf Habighorst (Havekost ) nicht geografisch zuordnen, und verwechselt Havekost mit Scelleshavekost, heute Fernhavekost, also "fern" von Habighorst, weil es bis Ende des 17. Jahrhunderts den v. Havekost in Habighorst gehörte.
( Siehe Schützenfahne von Sandlingen, Paulmannshavekost und Fernhavekost, die heute nach das Wappen des Ernst v. Havekost auf seiner Rückseite führt.

Auch scheint es undenkbar, dass Bischof Bernward seine Grenze zum Bistum Minden in Höhe Rebberlah ( Hradebodandle ) ohne burgbewehrte Sicherung sich selbst überließ, dafür war im meilenweiten Umkreis nur Habighorst ( Havekost ) als einzige bewaffnete Burganlage zuständig, wozu auch noch die Halsgerichtsstätte Burg - Horn gehörte, die genau vor der Kreuzung der Brandenburgischen Heerstrasse und der Strasse nach Braunschweig ihren Galgenberg hatte und zwar auch über die Mitte des 17. Jahrhunderts hinaus, als das Amtsgericht Beedenbostel begründet wurde.

Auch weisen die noch nicht erforschten Lehmwälle nordöstlich hinter der Aschau und im Bereich der so genannten "Ritterburg", wohl auf eine einst umfangreiche frühmittelalterliche Wehranlage hin. Interessant bleibt weiterhin, dass Rebberlah bis 1792, als die jetzige B 191 Celle-Uelzen gebaut wurde, absoluter Verkehrsknotenpunkt zwischen Hannover - Harburg, oder Braunschweig - Harburg war. Wer nach Uelzen, Lüneburg, oder Hamburg wollte, der musste von Rebberlah aus nördlich von Eschede auf die Brandenburger Heerstraße , die östlich von Celle über Garssen [ Hamburger Weg ] an Burghorn vorbei durch die Furt am Quarmbach in Habighorst führte.

Wahrscheinlich hat Karl der Große 795 die Wegeführung über Burg [ Altencelle ] auf einem Kriegszug an die Elbe benutzt !

Die Tausendjahrfeier von Rebberlah fand 1994 statt.

1350 tritt ein Ludolf von Havekost als Zeuge für Herzog Wilhelm auf, immerhin gegen die Adelsgeschlechter in Hermannsburg, Elfdingen, Hohnhorst und Wathlingen, als letztere geloben müssen, ihre feststen Burganlagen einzureißen. Durch ihre kämpferische Verbundenheit zum Herzogshaus in Celle, werden die "Habighorster" bald auch zu Miteigentümern des Schlosses Kettenburg bei Walsrode.

1362 wird ein Burgvogt Henning v. Havekost genannt, ihm folgt ein Christian v. Havekost unter Herzog Albrecht v. Celle. 1702 stirbt die Familie von Havekost aus, und das Rittergut kommt in die Familie der v. Melvill und zwar an den späteren General und Gouverneur der Festung Hameln und Hannover: Georg Ernst v. Melville. Er war der Sohn des schottischen Generalmajors Andre` de Melvill und am Hofe des Herzogs Georg Wilhelm als Page ausgebildet. Seine Mutter war die Hugenottin Nymphe de la Motte - Chevallerie.

1742 nach dem Tode des Georg Ernst v. Melvill, kommt das Lehn an die Schwester des Verstorbenen und somit in die Familie der von der Schulenburg.

1786 wird Alexander Friedrich Georg v. d. Schulenburg, der v. Friedrich II in den Grafenstand erhoben und der dirigierender Minister im Preuß. Generaldirektorium, sowie Kriegsminister ist, Eigentümer von Habighorst.

1803 kommt der spätere Dichter Ernst Conrad Friedrich Schulze mit seinem Vater, dem Celler Bürgermeister Dr. Ernst Friedrich Schulze auf das Gut in Habighorst, das sein Vater verwaltet.
Ernst Schulze absolviert mit 14 Jahren ein literarisches Selbststudium in dem damals sonst unbewohnten Herrenhaus des Rittergutes Habighorst, er wird noch Jahre später von einem so " schauerlich - angenehmen Gefühl " im alten Rittersaal ergriffen und durch die mittelalterlichen Bibliothek in der Ritterburg so angezogen, das der Roman " de la Rose ", einer Traumwanderung, in welcher ein anderer Dichter der unbezwinglichen Sehnsucht einer Rosenknospe verfällt, ihn motiviert, sein letztes, und bekannteste Werk: "Die Bezaubernde Rose" zu Papier zu bringen, das später in alle Weltsprachen übersetzt worden ist.

Barenscheer schreibt am 18.5.33 in der CZ :
Habighorst kann für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, fast hundert Jahre vor unserer letzten Heideschwärmerei einen Dichter in wahrer Liebe für unsere Heimat zu begeistern:
"Seit jener Zeit sind mir solche nach der gewöhnlichen Ansicht trostlosen Gegenden unbeschreiblich teuer geblieben, ich kann nie ohne Wehmut und Sehnsucht an ein wildes mit Fichten bewohntes Moor oder an eine weite Heide zurückdenken."
" Für ein Heideblümchen gäbe ich den ganzen Flora des botanischen Gartens, und die freundlichen Partien hier wollte ich mit Freuden opfern, wenn ich den Lachtehäuser Sandweg hierher zaubern könnte." (Bei dem Lachtehäuser Sandweg kann es sich nur um den Wienhäuser Heuweg handeln, der von Habighorst über Burghorn und Lachtehausen nach Wienhausen- Offensen führte.)

Mit erst 28 Jahren stirbt Celles Dichter Ernst Schulze, dessen geistige Geburtsstätte jedoch in der Ritterburg von Habighorst und mit ihrem Schatz an mittelalterlicher Ritterliteratur lag.

1812 verkauft Graf Christian Alexander, Sohn und Erbe des Alexander Friedrich von der Schulenburg, das Gut an Friedrich Christoph Hasselmann, bis alle Verträge insoweit wieder aufgehoben werden (eventuell durch das neue napoleonische Recht), und Hasselmann nun Erbpächter in absteigender Linie des neuen Lehnsträgers und Hannoverschen Cabinets - Ministers v. Meding wird.

1844 erwirbt W. Hasselmann den Trumannschen Hof von Heinrich Wilhelm Trumann. Diese Tatsache findet insoweit Erwähnung als dass es sich bei diesem Hof mit großer Wahrscheinlichkeit um den Stammhof der Familie des ehemaligen Präsidenten der USA
Harry S. Truman handelt, denn im Schatzregister von 1428 u. 1438 der Großburgtei Celle (heute zu vergleichen mit der Fläche des ehem. Kreises Burgdorf, Soltau, Fallingbostel und Celle) taucht nur ein einziger steuerpflichtiger Truweman auf und zwar in Habighorst.
Zitat: To Havichort - dedit Truwemann 2 g (Gulden)

1853 kauft Hasselmann nun das Gut und die Hasselmöhle ( heute Freyer ) mit allen Rechten und Pflichten ( z. B. dem Zehnten v. Habighorst ), sowie dem Sitz in der Ritterschaft des Fürstentums Lüneburg, von den 3 Erben des o.g. v. Meding, für die Summe von 4500 Thalern Courant.

Geschlecht der Familie Hasselmann in Habighorst:
Friedrich Christoph Hasselmann, geb. in Bockelskamp
am 05.06.1788 verheiratet mit Friederike Adelheit Hennings, geb. in Habighorst.
Sohn : Wilhelm Christoph Conrad Hasselmann, geb. 6.04.1789 in Habighorst.
am 17.02. 1809 verheiratet mit Marie Dorothea Eleonore Brammer in Rebberlah.
Sohn : Heinrich Friedrich Wilhelm Christoph Hasselmann, geb. 2.11.1812 in Rebberlah
am 30.06.1841 verheiratet in Habighorst mit Catharina Maria Wilhelmine Michaelis, geb. 11.09.1818 in Weyhausen.
Tochter : Eleonore Friederike Elise Mathilde .

1863 heiratet der Oeconom W. Thies aus Hülperode / Braunschweig die Erbin des Gutes Eleonore Friederike Elise Mathilde Hasselmann.

1866 erbaut er das Altenteilerhaus des Gutes, wobei die Steine ( siehe auch Winkelmann - Starkshorn, Hasselmann- Bühmann- Rebberlah ) aus der eigenen Ziegelei im Guts - Gehege kommen.

1885 wird W. Thies Mitglied des I. Celler Kreistages , Deputierter, Stellvertreter des Landraths [den man früher so schrieb] später Reichstagsabgeordneter in Berlin.

1904 stirbt er am 20. Juli, die Celle Zeitung berichtet :
Lokales - ( Landtagsabgeordneter Thies. gest. )
Gestern Mittag starb in Habighorst in Habighorst unser allerverehrtester Landtagsabgeordneter, Rittergutsbesitzer Thies im Alter von 69 Jahren.
Der Verstorbenen erfreute sich in der ganzen Gegend der größten Beliebtheit und des größten Vertrauens, er bekleidete eine große Zahl von Ehrenämtern, war Mitglied des Provinziallandtages, der Kreisverwaltung und vertrat 16 Jahre lang unseren Wahlkreis im Abgeordnetenhaus . Dort war er einer der fleißigsten Mitglieder der nationalliberalen Partei, von Mitgliedern des Reichstages gleich hochgeschätzt wie von denen des Abgeordnetenhauses. Sein Rat war für die Fraktion in Sachen Landwirtschaft meist ausschlaggebend.
Der Verstorbene war in Hülperode im Braunschweigschen geboren, hatte in seiner Jugend weite Reisen durch verschiedenen europäische Staaten und durch Amerika gemacht, um überall die Land = und Forstwirtschaft kennen zu lernen.
So war er eine Autorität in landwirtschaftlichen Fragen geworden.
Der Grundzug seines Wesens war Liebenswürdigkeit, Einfachheit und große Bescheidenheit, die ihn aber nicht hinderte, energisch die Interessen jener zu bewahren, die zu vertreten er berufen war.
Oeffentlich hervorzutreten liebte er nicht, er war mehr ein Mann der stillen, fleißigen Arbeit. Infolge eines Gehörleidens legte er in den letzten Jahren den größten Teil seiner verschiedenen Aemter nieder und war auch im vorigen Herbst nur mit Mühe zu bewegen, wieder eine Kandidatur zum Landtage anzunehmen.
Thies war bis in seine letzten Tage geistig und körperlich ungemein rüstig, seine letzte Krankheit währte nur wenige Tage, er starb an Genickstrarre.
Der ganze Kreis wird ihm ein treues Andenken bewahren.

 

Am 23. Juli 1904 steht auf der Titelseite der CZ:

Nachruf.

Am 20. d. Mts. ist unerwartet der Kreisdeputierte

Rittergutsbesitzer
Wilhelm Thies
auf Habighorst

aus dem Leben geschieden. In dem Entschlafenen schätzte die Verwaltung des Landkreises Celle seit dem Jahre 1885 einen treuen und sachverständigen Helfer und Berater, der als Mitglied des Kreisausschusses, des Kreistags, vieler Kreis-Kommissionen und zuletzt auch als Kreisdeputierter dem Kreise seine Erfahrungen, Pflichttreue und Rechtlichkeit zur Verfügung stellte.
Sein Wirken wird lange in dankbarer Erinnerung blieben und sein bescheidenes, stets hilfsbereites, liebenswürdige Wesen nicht vergessen werden.

Celle, den 22. Juli 1904

Der Kreistag und Kreisausschuß
des Landkreises Celle.
v o n  H a r l e m,
Landrat
(Kreisdeputierter = Vertreter des Landrats)

1945 wohnt in der Ritterburg im sog. Rittersaal die Familie Kuhn aus Elbing mit ihren 11 Kindern, daneben lebt im Obergeschoss Malermeister Schaper mit Frau. Beide Familien bleiben dort bis 1954 wohnen. Im Erdgeschoss ist im Februar 45 Oberst Hans-Henning v. Gesrdorff, Adjutant des General - Feldmarschalls v. Mackensen, und Bruder des gleichnamigen Generals und Widerständlers des 20. Juli, mit seiner Frau Diddi und einer Bediensteten ( spätere Frau Frankowiak ) eingezogen. Das Ehepaar lebt in der Ritterburg bis 1953. Frau v. Gersdorff erhält am 3. März 1965 das Bundesverdienstkreuz der BRD.

1978 zieht der, bis dahin, letzte Mieter aus, nachdem das alte Herrenhaus nach 1954 von verschiedenen Mitarbeitern der Saatzucht Raddatz - Hufenberg bewohnt worden war.

1979 findet eine private "Renovierung" der Ritterburg durch die beiden damaligen Mietparteien statt. [Overbeck, Hambrock]

1989 ersteigert Dr. Findel das Gut. Die Ritterburg steht danach über 10 Jahre leer.

2000 bewegt sich was, nachdem die Ritterburg endlich einen neuen Eigentümer gefunden hat.

2001 Kommt leider eine begonnene Renovierung der "Ritterburg" durch die Architektin Frau Karin Nowak nicht zum Tragen.

Fax vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege
Siglen des Herrenhauses

2003 teilt am 6. Oktober das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Scharnhorststraße 1, 30175 Hannover mit, daß die Ritterburg seit dem 10.06.1987 im Verzeichnis der Kulturdenkmale - Baudenkmale unter den wesentlichen Siglen in der 1. Gruppe (von 3 Möglichkeiten) aus geschichtlicher-künstlerischer - wissenschaftlicher - und städtebaulicher Bedeutung steht.

2006 sieht es bislang jedoch immer noch nicht so aus, als daß zumindest bestandserhaltene Arbeiten an dem ehemaligen Herrenhaus vorgenommen werden sollten.

 

Fundstelle
Archiv Landkreis Celle
Landesamt für Denkmalpflege Hannover


Fotos
Helmi Thies
Kurt Seebo