Die Aufgabe

Am 3. Juni 1998 ist Eschede unversehens der Ort einer Katastrophe geworden; die Folgen dieses Unglücks sind in ihrer Gesamtheit weder durch den Hinweis auf die Unfallursache noch durch die Zahl der Opfer zu erfassen. Vieles lässt sich nicht abschließend beantworten, die Reaktionen in den Tagen der Katastrophe haben dieses gezeigt. Aber auch Jahre nach diesem Ereignis kommen Besucher, mittelbar und unmittelbar Betroffene, an die Unfallstelle auf der Suche nach einem Ankerpunkt für ihre Fragen und Gedanken.

Eine Stätte, die an dieses Geschehen zu erinnern versucht, muss die Vielfältigkeit und die Unabschließbarkeit dieser Fragen vor Augen haben. Eine "Gedenkstätte Eschede" muss, so war es die Grundüberzeugung des gleichnamigen Arbeitskreises,

erinnern
mahnen
zu denken geben
ein Ort des Nichtvergessenseins sein
mit einem verletzten Ort versöhnen.

Die ICE-Katastrophe vom 3. Juni 1998 hat einen Ort und eine Stunde: Eschede, Rebberlaher Brücke, 10.58 Uhr. Die Gedenkstätte Eschede steht in unauflösbarem Bezug zu diesem Ort. Sie gibt damit zugleich eine schwer erträgliche Spannung vor: unmittelbar neben ihr fahren Züge unter der neu erstellten Brücke. Unsere Zeit scheint über das Unglück hinweg zu gehen und darf es doch nicht. Deshalb ist die Gedenkstätte nötig. Sie erhält die Spannung zu diesem Ort und dem Zeitpunkt des Geschehens aufrecht.