Mit der Straßenlokomotive in der Samtgemeinde Eschede unterwegs

Wenn Richard Werner mit seiner 03 82 eine Spritztour unternimmt, zieht er staunende Blicke auf sich. Eine Lokomobile ist schließlich nicht jeden Tag unterwegs. Gemütlich zuckelt das eigentümliche Gefährt über die Straßen der Samtgemeinde Eschede, stößt kleine Dampfwolken aus, hin und wieder ertönt ein lauter Pfiff.

Spontan losfahren kann Richard Werner mit seiner Lokomobile nicht. Erst müssen 500 Liter Wasser auf 160 Grad gebracht werden. Drei Stunden muss er den Kessel vorheizen, dann reicht der Dampfdruck aus, um die Kolben in den beiden Zylindern und damit den Eigenbau in Bewegung zu setzen. Gebaut hat die Lokomobile sein Opa Franz Werner. Fertig wurde sie nach etwa zweijähriger Bauzeit 1982. Sie war die dritte, die der Schlossermeister und Tüftler aus Habighorst auf die Räder stellte. Immer größer wurden sie, und weiterentwickelt: die erste hatte noch kein Dach über dem Führerhaus.

Stolz erzählt der 32-jährige Verwaltungsoberinspektor, dass sein Opa alles selbstgebaut hat. Für die Schwungräder wurden Modelle aus Holz angefertigt, dann wurden sie aus Metall gegossen. Der Kessel mit einem Nenndruck von 10 Bar wurde vom Technischen Überwachungsverein geprüft. Die Glocke auf dem Kessel ist über 100 Jahre alt, sie stammt aus Breslau. Mit dem Lenkrad wurde einst ein Personenwagen der Auto-Union gesteuert. Auch der Tachometer stammt aus einem Auto, aber der Zeiger bewegt sich nur ganz wenig über die Skala: Schneller als sechs Kilometer in der Stunde läuft die Lokomobile nicht. Deshalb braucht sie auch kein Nummernschild. Für den Fall der Fälle wurde eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Mitte August 2001 starb Franz Werner im Alter von 97 Jahren. Da stand längst fest, dass Richard die Lokomobile erben würde. "Opa hat das schriftlich festgelegt", sagt der Enkel. Er hat bei seinem Großvater auch den Lok-Führerschein gemacht und war in den Gebrauch aller Hebel und Ventile eingewiesen worden. "Wo der Dampf hinfällt", sagt er und legt noch ein paar Stücke Holz nach. 300 Liter Reservewasser hat er dabei, damit es auch noch für den Heimweg reicht.

Gern fährt Richard Werner mit seiner Lokomobile zum Südheidebahnhof Eschede. Wenn die Züge halten, lässt er den Pfiff ertönen. Dann pfeifen die Lokomotiven zurück und die Lokomotivführer winken. "Die ärgern sich, dass sie immer den Schienen folgen müssen", sagt Richard Werner. "Ich kann fahren, wo ich will."

von Joachim Gries